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die geschichte des jazz

Teil 7: Allgemeingut über Jimi Hendrix ist, dass er mehr als jeder andere Rockmusiker die Gitarre wie ein Hexenmeister oder Magier eingesetzt hat. So schrill und gleichzeitig virtuos war nie wieder ein Gitarrist. Allgemeingut ist auch, dass Jimi Hendrix nach sehr kurzer Schaffenszeit gestorben ist, an einer versehentlichen Überdosis Schlaftabletten. Angeblich hätte er gerettet werden können, wenn die Leute der Ambulanz einen besseren Job gemacht hätten. Dass er als Linkshänder eine Rechtshänder Fender Stratocaster (seit Hendrix die meist verkaufte E- Gitarre überhaupt) benutzte und die Saiten umdrehte, um richtig darauf spielen zu können. Hendrix spielte Soli gelegentlich mit der Zunge oder mit den Zähnen, demonstrierte auf diese Weise, dass sein Instrument für ihn wie eine Geliebte war. Es kursiert die Geschichte von dem Maniac, der zu Beginn seiner Karriere wegen seiner Lautstärke und Spielweise Verstärker zerschossen hat, weil er keine Lust hatte, das ewig gleiche Zeug zu spielen, der aufgrund dessen aus den Bands, in denen er spielte, wieder rausgeflogen ist, z.B. bei Ike und Tina Turner.



Kommen wir zu seiner Musik und seiner Performance. Zu seiner Idee, das Instrument bis in den letzten Winkel zu erforschen und auf bis dahin nie gehörte Weise zum Klingen zu bringen. Er stellte fest, dass ein Verzerrer die Töne des Instruments nicht nur boostet, sondern dass die Saiten ab einer bestimmten Lautstärke und Frequenz zu vibrieren beginnen, dass das Sounds und Rückkoppelungen erzeugt, die man so noch nicht gehört hat. Diesen Effekt setzte er gezielt ein und erzeugte so neben dem eigentlichen Sound Obertöne und Nebenräume, die gleichzeitig verschiedene Geschichten erzählten. Anfangs war er nicht viel mehr, als ein hochbegabter Blues Gitarrist und Sänger. Seine Vorbilder waren Muddy Waters, der angeblich als erster Gitarrist einen Tonabnehmer benutzte, um den Sound seiner Gitarre zu verstärken und B.B. King, der ebenfalls eine eigene Technik entwickelte, um sein Spiel zu entwickeln. King hatte zu dicke Finger, um ein Bottleneck (Flaschenhals) zu benutzen, mit dem er über die Saiten hinweg gleiten konnte. So bewegte er beim Spielen eines Tons seine Fingerkuppen sehr schnell hin und her und erzeugte dadurch ein Vibrato, dass er sonst nur mit dem Bottleneck hätte erzeugen können. Von Little Richard hat er sich Styling und Bühnepräsenz abgeschaut, er schwärmte von Bob Dylan und von dessen unerreichbarer Songkunst und nachdem er The Who live gesehen hatte, zerstörte er nach diversen Shows seine Gitarre und warf sie als schamahnisches Souvenir ins Publikum. Beim Monterey Festival drückte Hendrix eine Pattex Tube auf dem kreischenden Instrument aus und steckte sie in Flammen, bevor er sie auf dem Bühnenboden zerschmetterte. Auf die Frage, was er mit diesen Zerstörungs- Ritualen ausdrücken wollte, sagte er einem BBC Moderator: „You know, its nothing. Gimmicks, just gimmicks. I don’t hate my guitar, I love it and i don’t hate my mother or my girlfriend. Everything’s okay with me. Its only gimmicks, showtime! If you want, take it as my personal answer to the Vietnam war, but no, that’s too much. Believe me, its only gimmicks!“


Komplett wurde sein Gitarrensound, nachdem er in einer Bar in Seattle einen anderen Gitarristen sah, der ein Wha Wha benutzte, ein Fußpedal, mit dem er den Sound zum wabern brachte. So zog er durch die Welt und zelebrierte sein explosives Gemisch aus Blues, kreischenden, wabernden Obertönen und bittersüßen Balladen und eroberte eine ganze Generation im Sturm. Auf dem Woodstock Album kann man hören, dass er auch ohne seine magische Trickkiste ein über die Maßen exzellenter Gitarrist war, der dem Blues außergewöhnliche Melodien schenkte.



Irgendwann hatte er die Nase voll vom Bühnenleben, es wurde ihm zu viel, nachdem ihn sein Manager permanent auf Tour schickte. Der Star- Ruhm war ihm zu wider. Er sehnte sich nach Ruhe und wollte neue Musik, vor allem aber neue Sounds entwickeln. Für „Electric Ladyland“, das sein letztes offizielles Album war, schloss er sich wochenlang im Studio ein, experimentierte mit Tönen und Geräuschen, Loops, die er mit dem Tonband erzeugte und integrierte diese Sounds und Flächen in seine neuen Songs, die man von ihm nicht so unbedingt erwartet hätte. Electric Ladyland löste gemischte Gefühle aus. Den einen war es zu wenig Hendrix, den anderen zu wenig kommerziell. Doch viele haben gespürt, dass Hendrix einen Sprung gemacht hat, der seine Musik auf eine neue Ebene führen sollte. Electric Ladyland gilt als sein Meisterwerk, wenngleich er selbst nicht völlig zufrieden war, da Manager und Produzent ihn immer wieder bremsten und forderten, er solle ein typisches Hendrix Album machen.

 

Manchmal, wenn ich heute Musik höre, in der wabern, kreischen und ausgedehnte Flächen nichts außergewöhnliches mehr sind, habe ich eine Vorstellung davon, wie sich Hendrix` Musik hätte entwickeln können. Ich habe dann ein Klingeln im Ohr. Dieses Klingeln hat etwas zu tun mit der Musik von Leuten wie LTJ Bukem, Roni Size, Gill Evans, Carl Craig, Brian Eno, Holger Czukay oder Bill Laswell. Sehr dicht und atmosphärisch, sophisticated. Der Blues als subtile Metapher einer Musik, die das Hier und Jetzt benutzt, um etwas eigenes und neues, vor allem unerwartetes zu gestalten, etwa so wie Miles Davis.

 

Vielleicht wäre er auch den afrikanischen und indianischen Wurzeln seiner Familie gefolgt und hätte deren musikalisches Erbe in neue Zusammenhänge gesetzt. Wer soll das wissen oder will es wissen? Wie gesagt, manchmal habe ich ein Klingeln im Ohr...

 

Was bleibt sind großartige Musik, geniale Gitarren Explosionen und endlose Legenden und Anekdoten. Zum Beispiel die, dass man ihn sich als Helium vorstellen sollte, wenn die Musik zu schwer wurde. Helium ist das leichteste aller Gase.

 

Tipps: Hört Euch das Live Album „Band Of Gypsys“ an, seine erste „Are You Experienced“, seine letzte „Electric Ladyland“ oder das komplette Woodstock Konzert. Das gibt es auch als Film auf DVD. Die Gitarre brennt bei seinem Konzert auf dem Monterey Pop Festival, davon gibt es wahrscheinlich auch eine DVD, zumindest ein Video. Es gibt auch eine sehr interessante Dokumentation über ihn, mit Interviews von Freunden, Freundinnen, seinem Vater Al und Musikern seiner Zeit. Die gibt es als Platte und als Film, Titel: Jimi Hendrix. Schaut Euch Francis Ford Coppola’s „Apocalypse Now“ an. Mitten im dramatischen Vietnam- Kriegsszenario ertönt aus dem Radio „Voodoo Chile“ - Gänsehaut pur.

 

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